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@KadirKdzEregli
„Wenn wir Sprache als Werkzeug nutzen, um uns in Machtpositionen zu bringen, bauen wir nur auf Glas.“
— Frei nach den ethischen Motiven bei Sa’dī Schīrāzī [Persischer Dichter und Humanist, 13. Jh., Autor des Golestān]
In fast jeder Debatte kommt der Moment, an dem die Dynamik kippt: Worte dienen nicht mehr der Wahrheit oder dem Verstehen, sondern als bequemer Schild, als rhetorischer Griff nach Kontrolle oder als moralische Keule. Der eine verfällt dem Hochmut einer gefühlten Überlegenheit, der andere flüchtet verbittert in alte Schutzmuster. Am Ende verliert die Gemeinschaft genau das, worauf es ankommt: Substanz und ehrliches Vertrauen.
In der Tradition der persischen Weisheitsliteratur findet sich zur Fragilität von Fassaden ein treffendes Gleichnis [Motivische Fabel im Geiste der klassischen Sufi-Poesie]:
Ein Herrscher ließ zwei Gefäße vor seine Gefolgschaft stellen: Ein kunstvoll geschliffenes, im Licht glitzerndes Glas und eine raue, unschemaische Schale aus dunklem Stein. Die Anwesenden überboten sich in geschickten Worten, lobten die Pracht des Glases und versuchten, sich durch ihre Urteile als Kenner zu inszenieren.
Der Herrscher sprach nicht. Er stellte das fragile Glas behutsam beiseite, goss klares Wasser in die raue Steinschale und brachte zum Vorschein, was unbemerkt im dunklen Grund ruhte: einen ungeschliffenen, unzerstörbaren Smaragd.
„Das Glas verlangt nach eurer Bewunderung, aber es erträgt keinen Stoß“, lehrte er. „Der Stein hingegen schützt den Smaragd, ohne Lärm darum zu machen.“